Ein Monat nach der Wahl – eine Analyse
Unsere Zeit ist schnelllebig. Einen Monat nach der Wahl eine Wahlanalyse zu veröffentlichen, mag bei manchem Verwunderung auslösen. Aber: Wir haben uns diesbezüglich “entschleunigt” (übrigens ein “urgrünes” Thema!). Anstatt auf die schnelle Reaktion, setzten wir auf die Qualität des Ergebnisses. Die nachfolgende Analyse ist das für die Öffentlichkeit bestimmte Produkt einer internen Diskussion.
Zunächst: Es gibt nichts herumzudeuteln – der Verlust von 45 Stimmen bzw. 3 % der Wählerstimmen zog auch den Verlust des Vorstandssitzes des Finanzreferenten nach sich. Eine starke Einengung unserer Einschau- und Einflußmöglichkeiten. Kurz: Wir gehören zu den Wahlverlierern!
Die Wahlbeteiligung ging um ca. 2 Prozent auf 76,7 % zurück. Würden sie als eine Partei auftreten, so wären die NichtwählerInnen zusammen mit den Ungültig-Stimmen die nach den SPÖ-WählerInnen zweitstärkste Gruppierung. Die SPÖ hat 54 Stimmen (= – 3,1 %) und damit ein Mandat verloren. Sie hat damit aber besser gehalten als nach dem Abgang von Altbgm. Peter Urdl zu erwarten war. Sie hat Ihre Stärken, die gute Verankerung in der alteingessesenen Bevölkerung und in den großen Thaler Vereinen, gut genutzt und ihr Potential mit einer gefühlsmäßig bisweilen etwas rechtsgedrallten Wir-Komponente (z.B. gegen die Ausländer am Thalersee) weitgehend mobilisieren können. Damit war es ihr möglich ihre inhaltlichen Hypotheken aus den vergangenen Jahren (z.B. Lage der Gemeindefinanzen, Baufall Egger etc.) und die großen programmatischen Schwächen (unfinanzierbare Großprojekte, kein Konzept zur Sanierung der Finanzlage) erfolgreich zu überdecken. Das Ergebnis darf wesentlich als ganz persönlicher Erfolg von Bgm. Peter Schickhofer gewertet werden.
Die ÖVP ist die klare Siegerin der Wahl (auch wenn sie deutlich unter Ihren eigenen Erwartungen blieb). Sie zog von der SPÖ und der ThAL Stimmen ab und gewann 75 WählerInnen (= + 5,6 %), ein Gemeinderatsmandat und damit den Vorstandssitz des Kassiers dazu.
Mit der Erneuerung ihres Teams vor 2 Jahren hat sie sich von ihrem 2005er-Tief erholt. Im Gemeinderat blieb sie als Beiwagerl der SPÖ zwar ohne starkes eigenes Profil, aber nach außen hin setzte sie vermehrt öffentlich wahrnehmbare Aktivitäten, wobei sie gefühlsmäßig den Heimataspekt betonte (“Thal blüht auf”, “Thal spielt auf!”, “Diandlnähkurs”). Und indem sie in Ihren Aussendungen – aus ihrer Sicht strategisch richtig! – in die Jammerei der SPÖ über unsere angeblich querulatorisch-unkonstruktive Politik einstimmte, hat sie sich den n2. Platz zurückerobert. Auch hier gilt, dass ihre eher wenig realistischen wahlprogrammatischen Vorstellungen (ein kleineres Gemeindezentrum am Kirchberg mit einer Untertunnelung des Zubaus) offensichtlich von den WählerInnen keiner kritischen Wertung unterzogen wurden. Ihr SPÖ-kritischer Schwenk in letzter Sekunde dürfte taktisch etwas gebracht haben.
Die ThAL verlor 45 Stimmen (= – 3 %), hielt zwar knapp die 3 Mandate, verlor aber die Funktion des Kassiers.
Wir hatten eine zweifellos attraktive Liste von sehr gut ausgebildeten Persönlichkeiten. Die Schwäche dabei: Von der alteingesessenen Bevökerung konnten wir nur wenige dazu bewegen auf unserer Liste zu kandidieren. Auch den Teilrückzug von Franz Fotr auf einen Nachrückerplatz konnten wir offensichtlich nicht kompensieren.
Unser sehr realistisches, reform- und sanierungsorientiertes Wahlprogramm ohne große Versprechungen sprach offensichtlich nur die betont nüchternen Geister an.
Gegenüber der WählerInnenmehrheit konnten wir die Punze der “allzu kritischen und streitbaren Grünen” nicht im hinreichenden Ausmaß relativieren. Unser hoher Einsatz, die vielfältigen Aktivitäten und die Erfolge der vergangenen Jahre waren offensichtlich keine hinreichend starken Argumente um uns vor dem Stimmenverlust zu bewahren. Manche unserer WählerInnen dürften uns auch wegen unseres starken Eintretens gegen das Grillverbot am Thalersee verloren gegangen sein..
Wir haben zweifellos einen intensiven und im Großen und Ganzen auch guten Wahlkampf geführt. Möglicherweise waren wir aber in unseren Aussendungen zu konfrontativ und zu wenig wahlwerbend. Einige kleinere Schnitzer (etwa unser scherzhafter Umgang mit Bgm. Peter Schickhofers Erkrankung in der Faschingszeitung) dürften uns geschadet haben. Aber zur Erklärung des Minus von 3 % allein sind sie wohl kaum hinreichend.
Die FPÖ-Einmann-Kandidatur Edmund Hansmanns hat 32 Stimmen (= + 2,3 %) dazugewonnen. Ohne jedes auf Thal bezogene Programm und ohne nennenswerte Vorleistungen und Wahlwerbung kam sie damit überraschenderweise relativ knapp an die Mandatsschwelle heran.
“Genosse Trend”
Berücksichtigt man die Ausgangsniveaus und die übergeordneten wahlpolitischen Trends, so relativieren sich die Thaler Ergebnisse folgendermassen:
Der Rückgang der Wahlbeteiligung war etwas größer als im Landesschnitt (- 1,9 % gegenüber – 0,5 %).
Die SP-Thal startete zwar von einem überdurchscnittlichen hohen Niveau aus, verlor aber dennoch deutlich weniger als die Gesamtpartei (- 3,1 % gegenüber – 5,6 %).
Die VP-Thal gewann von ihrem historischen Tief bei der GRW 2005 ausgehend mehr als die VP-Gesamtpartei (+ 5,6 Prozent gegenüber + 3,4 %).
Die in Thal traditionell schwache FPÖ gewann mehr als die anderen FP-Kandidaturen im Gesamtvergleich (+ 2, 3 % gegenüber + 0,7 %).
Schwierig ist dieser Vergleich, bei der ThAL/Grünen, weil diese ja nur in etwa 17 Prozent der steirischen Gemeinden angetreten sind und die schwankenden Zahlen von Gemeinden, in denen überhaupt kandidiert wird, mitberücksichtigt werden müssen. Als brauchbarer Vergleich können also nur jene Ergebnisse von Gemeinden dienen, in denen die Grünen “wiederkandidiert” haben. Und hier zeigt sich, dass wir mit unserem Verlust von 3 % im Vergleich zu den durchschnittlichen Grünen Wiederwahlergebnissen im Bezirk Graz-Umgebung ungefähr im Schnitt gelegen sind. Berücksichtigt man dabei, dass wir für einen Grüne Ortsgruppe ein unüblich hohes Niveau zu verteidigen hatten, so bleibt der Verlust zwar deutlich und schmerzhaft, er hält sich aber gottseidank in Grenzen und die Thaler Grünen haben immer noch das beste Wahlergebnis im Bezirk und das zweitbeste landesweit. Darauf gilt es aufzubauen.




April 26th, 2010 at 17:20
von Edmund Hansmann am 20. März 2010 um 20:53
… nur aus finanziellen Gründen kandidiert.
In der letzten Aussendung der SPÖ wird mir vorgeworfen, dass ich nur aus finanziellen Gründen für die FPÖ kandidiere. Ich möchte hiermit klar und deutlich feststellen, dass dies in keinster Weise der Wahrheit entspricht oder um es anders zu sagen: ” … alles erstunken und erlogen ist.” Es liegt an den Verantwortlichen der SPÖ Thal, entsprechende Schritte zu setzen, diesen Vorwurf in eindeutiger Weise öffentlich zu widerrufen.
Edmund Hansmann
Stellungnahme zu obigen Kommentar am 26.04.2010
“Ein Gespenst geht um in Thal …” (in leichter Abwandlung von Karl Marx)
Zugegeben, ich habe nicht wirklich erwartet, dass die Verantwortlichen der SPÖ Thal die Größe haben auf meinen Kommentar vom 20.03.2010 zu antworten. “Lug und Trug” sind für einige Personen in dieser Partei durchaus Werte mit denen sie leben können. (frei nach dem Motto von Heinz Fischer: “Unser Handeln braucht Werte”)
Meine Nachforschungen in der mich betreffenden Angelegenheit haben folgendes Bild ergeben: es muss sich um ein und dieselbe Person handeln, die auch schon vorher durch Aussagen wie
- ” … i bin nämlich wirklich a Demokrat …” (gelungener Scherz)
- ” … mit den Bauern da draußen in Thal kann man ohnehin alles machen …” (Bausache Egger/Bürger)
- ” … du muaßt erst an Trottel finden der de Hockn mocht…” (vor längerer Zeit über das Amt des Bgm.)
- “… da Hansmann mocht des jo nur wegen dem Göd …” (Kandidatur meinerseits für die FPÖ)
unangenehm aufgefallen ist.
Mir liegt auch eine vage Personsbeschreibung vor: männlich, 55-60 Jahre alt, schütterer Haarwuchs, graumelierter Oberlippenbart.
Nachdem mir aber niemand bekannt ist, der auch nur annähernd dieser Personsbeschreibung entspricht, so kann es sich nur um ein Gespenst handeln.
Mit freundlichen Grüßen
Edmund Hansmann